6 Dinge, die Du als Freelancer zur Mehrwertsteuersenkung wissen musst.

Corona hat für viele Menschen gravierende wirtschaftliche Folgen. Um schnell unter die Arme zu greifen, müssen oft kurzfristige Entscheidungen her. Hierzu zählt auch die Entscheidung der Bundesregierung, die Mehrwertsteuer zu senken. Andreas Reichert, Partner-Steuerberater von Accountable.de und MACHER HILFE-Experte erklärt worauf es ankommt. 

1.   Die Mehrwertsteuersenkung gilt für alle

Ab 1. Juli 2020 sollen die Mehrwertsteuersätze gesenkt werden:

  • von 19% auf 16%
  • von 7% auf 5%

Die neuen Mehrwertsteuersätze gelten für alle Branchen und Leistungen. Es gibt keine Ausnahmen und kein Wahlrecht: Bei der Mehrwertsteuersenkung müssen alle Unternehmer und Freelancer mitmachen. Das gilt auch dann, wenn sie ausschließlich Unternehmer als Kunden haben und sich die geringere Mehrwertsteuer nicht auswirkt.

Bei falschem Ausweis auf der Rechnung drohen Sonderprüfungen, Nachzahlungen und Strafen. Wichtig: Die auf der Rechnung ausgewiesene Mehrwertsteuer müssen Unternehmer an das Finanzamt abführen. Haben sie die Mehrwertsteuer aber falsch in Rechnung gestellt, kann das dazu führen, dass der andere Unternehmer die Mehrwertsteuer nicht anrechnen darf. Der Vorsteuerabzug geht verloren.

2. Die Mehrwertsteuersenkung gilt nur für ein halbes Jahr

Am 1. Januar 2021 sollen wieder die alten Steuersätze von 19% und 7% gelten. Diese Änderung gilt automatisch – man benötigt dafür kein neues Gesetz. Die hier beschriebenen Regeln gelten dann entsprechend. Freelancer müssen also auch dann wieder peinlich genau auf den richtigen Mehrwertsteuersatz achten.

Es kann allerdings sein, dass sich die Bundesregierung noch einmal umentscheidet und die Frist verlängert. Man sollte also die Rechtslage im Blick haben, um sich rechtzeitig auf eine Neuerung einstellen zu können.

3. Der Vorteil muss nicht an die Kunden weitergegeben werden

Niedrigere Mehrwertsteuersätze bedeuten niedrigere Preise für Verbraucher. Richtig? Nicht unbedingt. Denn der Unternehmer kann immer noch selbst seine Preise festlegen. Und es besteht keine Pflicht, den Bruttopreis zu senken. Als Freelancer kann man den Vorteil also auch für sich behalten und muss seine Bruttopreise nicht senken.

4. Der Leistungszeitpunkt ist entscheidend

Egal, wann der Kunde zahlt oder welches Rechnungsdatum auf der Rechnung steht: Der Mehrwertsteuersatz richtet sich ausschließlich nach dem Leistungszeitpunkt. Hat man die Leistung über einen Zeitraum von mehreren Tagen erbracht, gilt der letzte Tag als Leistungszeitpunkt.

Beispiel: Die Leistung wurde vom 01. Juni bis 30. Juni erbracht. Rechnungsdatum ist der 2. Juli und bezahlt wird die Rechnung am 10. Juli. Leistungszeitpunkt ist der 30. Juni. Der Mehrwertsteuersatz beträgt 19% bzw. 7%.

Aufpassen muss man insbesondere bei Anzahlungen. Denn in manchen Fällen wird die Rechnung im Voraus erstellt und bezahlt.

Beispiel: Die Leistung wurde vom 30. Juni bis 2. Juli erbracht. Der Kunde hat im Juni eine Anzahlung geleistet und bereits die Rechnung erstellt. Der Mehrwertsteuersatz beträgt 16% bzw. 5%, da der 2. Juli als Leistungszeitpunkt gilt.

In diesem Beispiel muss der Unternehmer also seine Rechnung korrigieren.

5. Man sollte alle Eingangsrechnungen genau prüfen

Was für die eigene Rechnung an Kunden gilt, gilt natürlich auch umgekehrt für die Eingangsrechnungen. Auch der andere Unternehmer muss die Regeln einhalten und die korrekte Mehrwertsteuer und den Steuersatz ausweisen. Ist die Mehrwertsteuer falsch, kann das dazu führen, dass der Unternehmer die Mehrwertsteuer nicht in seiner Umsatzsteuervoranmeldung angeben kann. Und das wird dann richtig teuer.

Deswegen sollten Freelancer alle Rechnungen hinterfragen und genau prüfen. Ist die Mehrwertsteuer falsch, sollte man den anderen Unternehmer sofort darauf ansprechen und um eine Korrektur bitten.

6. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft

Glaubt man, was die Medien sagen, scheint die Sache klar zu sein: Die Bundesregierung hat das Gesetz beschlossen – also gilt es auch. Leider heißt der Beschluss aber noch nicht, dass das Gesetz schon in Kraft getreten ist oder unverändert so in Kraft treten wird. Denn abschließend muss der Bundesrat zustimmen. Und es kann sein, dass dieser die Zustimmung verweigert oder die Zustimmung nicht rechtzeitig erfolgen kann.